Wenn Grenzsteine fehlen, ist im Rahmen der Nutzungsvorbereitung das Auffinden und Markieren der Grundstücksgrenzen bedeutsam. Flurstücke, in denen eine Nutzung stattfinden soll, müssen von Flurstücken abgegrenzt werden, in denen keine Nutzung vorgesehen ist. Aber auch bei gemeinsamer Nutzung benachbarter Flurstücke erfordert die getrennte Abrechnung des geernteten Holzes im Wald sichtbare Eigentumsgrenzen.

In manchen Fällen sind die Flurstücke einfach zuzuordnen, andernorts müssen aufwändigere Methoden der Grundstücksabgrenzung angewendet werden. Die vorgestellten Lösungen unterstützen die Zuordnung von Wald und geerntetem Holz zu dem Eigentümer der Parzelle. Sie sind jedoch keine juristisch abgesicherte Grundlage z.B. für den Verkauf von Waldflächen.


Sichtbare oder leicht identifizierbare Grenzen

In manchen Fällen erleichtertn eine noch erkennbare »Feinerschließung (Gassen) oder unterschiedliche Baumalter die Differenzierung zwischen zwei Flurstücken. Eine weitere Informationsquelle sind ältere Mitglieder der Eigentümerfamilie oder Betreuungsförster.
Klassische Messmethoden

Ausgehend von einem eindeutig identifizierbaren Fluchtpunkt (Wald-Feldgrenze, Weg, Grenzstein des Nachbargrundstücks) wird die Entfernung zu dem gesuchten Grenzpunkt mit dem Maßstablineal von der Karte abgelesen und die Entfernung z.B. mit einem Fadenmessband im Gelände übertragen. Oftmals können auf diesem Weg die Grenzsteine doch noch entdeckt werden. Diese Methode setzt bestehendes Kartenmaterial voraus.

Der Zeitaufwand ist zumeist hoch; der Übergang zwischen kostenloser Beratung und kostenpflichtiger Betreuungsaufgabe ist fließend. So stuft bspw. die sächsische Privatwaldverordnung das Suchen von Flurstücksgrenzen als kostenpflichtige Maßnahme ein.


GPS-gestützte Methoden

Modernere Methoden stützen sich auf »Geographische Positionierungssysteme (GPS). Die Grundlage für die Verwendung dieser Systeme sind die digitalen amtlichen Liegenschaftskarten, in denen die Flurstücke in vektorisierter, georeferenzierter Form dargestellt sind.

Die Genauigkeit der Verortung im Wald variiert allerdings je nach Überschirmungsgrad, Wetter und Position der Satelliten. Zudem spielt die Qualität der eingesetzten GPS-Geräte eine wichtige Rolle. Die Genauigkeit des ermittelten Grenzpunktes kann daher zwischen wenigen Zentimetern und mehreren Metern variieren [1].


Kosten der Vermessung

Das Einmessen der Flächen ist sehr zeitaufwändig und teuer. Vor allem das Vermessen von Klein- und Kleinstflächen kann unter Umständen mehr kosten als die Nutzungsmaßnahme erbringt. In einigen Bundesländern wird die Flächenvermessung gefördert. Die örtlichen Forstämter können hierzu Auskunft erteilen.


Vermessung durch Dienstleister

Spezialisierte Dienstleister erreichen durch den Einsatz präziser Messinstrumente eine wesentlich höhere Genauigkeit als sie von FBG-Personal bzw. Förstern (meist) erzielt werden kann. Die Beauftragung des Vermessungsbüros kann durch den Waldbesitzer bzw. die FBG erfolgen, oder aber durch die Verwaltung veranlasst werden.

Vor allem, wenn es um die exakte Grenzermittlung geht, kommen öffentlich bestellte Vermessungsbüros zum Einsatz, denen vom Staat hoheitliche Aufgaben übertragen werden. Sie sind berechtigt, Liegenschaftsvermessungen auszuführen, Grenzfeststellungen und Abmarkungen vorzunehmen und Tatbestände, die durch vermessungstechnische Ermittlungen am Grund und Boden festgestellt werden, mit öffentlichem Glauben zu beurkunden. Beauftragt werden sie beispielsweise bei Waldflurneuordnungen.
Neben diesen speziellen Vermessungsbüros haben auch Wald- und Umweltplanungsbüros das Einmessen von Flurstücken und die Grenzfindung in ihrem Dienstleistungsspektrum.

Die anfallenden Kosten sind beim Einsatz eines Dienstleisters wesentlich höher als bei der Vermessung durch forstliches Personal. Daher müssen die Anforderungen an die Messgenauigkeit im Vorfeld definiert werden.


Einzelnachweise

Röslen, Julien (2006): GIS-/GPS-gestützte Vorbereitung einer koordinierten Einschlagsplanung im Kleinprivatwald in der Sächsischen Lausitz. Diplomarbeit Universität Freiburg.

Weiterführende Links und Literatur

Hoffmann, M.; Rogg, S. Flächenaufnahme mit GPS. AFZ/DerWald Nr. 6/2006. S.284f

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