In zunehmenden Maß wird der Mobilisierungserfolg von Holz aus dem Privatwald von einer gezielten Ansprache des Waldbesitzers abhängig gemacht. Die von vielen Wissenschaftlern und auch Praktikern beschriebene ‚Waldferne des Waldbesitzes’ erfordert eine spezielle Ansprache solcher Waldbesitzer oder Waldbesitzerinnen, die räumlich oder beruflich nicht mit der Forstwirtschaft verbunden sind.

Veranschaulichung unterschiedlicher Waldbesitzertypen

Grafik Waldbesitzertypen

Beispiele unterschiedlicher Waldbesitzer und ihrer Motiven

Beim größeren Privatwald und dem öffentlichen Wald sind die Zielsetzungen meist klar formuliert. Die Schwerpunkte können auf erwerbswirtschaftlichem Handeln, einer Naturschutzorientierung oder auch dem Angebot von Erholungsleistungen im städtischen Raum liegen.

Im Kleinprivatwald stellt sich die Situation anders dar: Während der eine Waldbesitzer regelmäßig nutzt, lässt sich der Nachbarwaldbesitzer auch durch hohe Holzpreise nicht zu einer Nutzung motivieren. Vielerorts werden künftige Zuwächse durch Unterlassen von Durchforstungsmaßnahmen verschenkt, während gleichzeitig so mancher sägefähige Stamm unter Wertschöpfungsverlust ins Brennholz wandert. Auch jagdliche oder Naturschutzmotive spielen bei der Nutzung oder unterlassenen Nutzung eine Rolle.

Die Verhaltensmuster können so vielgestaltig wie die kleinparzellierten Strukturen selbst sein. Erklärungen zu diesen unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Wald werden aus der Beschäftigung mit den Waldbesitzermotiven erwartet. Aus der Analyse der Motive sollen konkrete Empfehlungen zur Ansprache und zur Motivation von Waldbesitzern abgeleitet werden.

Die wissenschaftliche Diskussion

In wissenschaftlichen Arbeiten finden sich seit einiger Zeit Ansätze zur Typisierung von Waldbesitzern:

  • Becker und Borchers (2000) unterscheiden in einer Studie für Nordrhein-Westfalen den eher ökonomisch  orientierten, den universal interessierten, und den eher ökologisch orientierten Waldbesitzertyp.
  • In Veröffentlichungen zu Waldbesitzermotiven und ihrer strukturellen Bedingtheit befassen sich Mutz und Becker (2001) mit den situativen Einflussgrößen, die auf menschliches Verhalten wirken. Die 'Situation' wird anhand von Strukturparametern wie z.B. der Waldbesitzgröße beschrieben.
  • Die Typisierung Schaffners am Lehrstuhl für Forstpolitik in München (SCHAFFNER, 2001) basiert auf der Ausprägung von Nutzung und Vermarktung im Privatwald. Es werden darin sechs Kategorien vom nicht nutzenden Waldbesitzer über den in Eigenregie nutzenden und vermarktenden Waldbesitzer unterschieden.
  • In seiner Dissertation befasst sich Schurr (SCHURR, 2006) intensiv mit der Frage des kleinstrukturierten Waldbesitzes in Sachsen.
  • Schraml hat sich in einer Analyse eingehend dem Begriff des 'Urbanen Waldbesitzers' (SCHRAML, 2006; SCHRAML UND VOLZ, 2003 ) angenommen und Waldferne/Waldnähe sowohl anhand des tatsächlichen Wohnortes wie auch des Lebensstils von Waldbesitzern untersucht.
  • Für Österreich kommt Weiß zu einer Klassifizierung nach traditionellen Waldeigentümern, Übergangstypen und neuen Waldeigentümern. Dabei werden verschiedene Untergruppen gebildet und Faktoren definiert, die eine Waldbewirtschaftung fördern können, und solche, die einer Bewirtschaftung eher im Wege stehen.

Ausgewählte Ergebnisse

Waldbesitzer bestehen aus sehr heterogenen Gruppen, die sich durch die unterschiedliche Ausprägung von Merkmalen und Motiven auszeichnen. Einige davon seien hier angeführt:

  • kleine, mittlere und große Besitzgrößen kommen nebeneinander vor
  • Eigentümer können waldnah bis sehr waldfern leben
  • Geschlecht, Beruf, Alter kommen in den unterschiedlichen Konstellationen vor
  • Holz wird durch den Eigentümer genutzt oder vom Unternehmer eingeschlagen
  • Naturschutzinteressen und Nutzungsinteressen können einander direkt gegenüberstehen.

Im folgenden sollen einzelne dieser Aspekte, die in Forschungsuntersuchungen detailliert untersucht wurden, herausgegriffen und kurz vorgestellt werden. Die Ergebnisse können nicht verallgemeinernd sein; sie sollen viel mehr das heterogene, regional sehr unterschiedliche Bild des Waldbesitzers und seiner Motive widerspiegeln.

 

Weiterführende Literatur


  • Die Motive der Privatwaldbesitzer in NRW. Becker G., Borchers, J., Mutz, R. (2000)
  • Waldbesitzermotive und ihre strukturelle Bedingtheit Umweltpsychologie. Mutz R., Becker, G. (2001)
  • Realisierung von Holzvorräten im Kleinprivatwald - Typen von Kleinprivatwaldbesitzern. Schaffner, S. (2001).
  • Urbane Waldbesitzer. Studien zur Beratung und Betreuung im nichtbäuerlichen Kleinprivatwald. Schraml, U. und Volz, K.-R. (2003)
  • Zwischen Allmende und Anti-Allmende: Eine Untersuchung zur Strukturenentwicklung des kleinflächigen privaten Waldeigentums unter den Bedingungen der gesellschaftlichen Transformation am Beispiel des Freistaates Sachsen. Schurr (2006)

Weitere Themen in "Waldbesitzer"