Die Vorkalkulation der Hiebsergebnisse eines Nutzungsblockes ist für die Verhandlungen mit den Holzernteunternehmen und Holzeinkäufern sowie für die Planung der Abfuhrlogistik notwendig. Gleichzeitig bietet die Vorkalkulation eine solide Grundlage zur Information des Waldbesitzers über die zu erwartenden Kosten und Erlöse.

Die Vorkalkulation umfasst drei Bereiche:

  1. Abschätzung der Holzerntemenge nach Baumarten und Sortiment,
  2. Ermittlung der Holzpreise für die erwartete Verkaufsmenge und
  3. die Herleitung der Holzerntekosten unter den zugrundeliegenden Bedingungen.

Sind diese Werte gründlich erhoben, können die Ergebnisse den Waldbesitzern übergeben werden. Eine hohe Übereinstimmung der geplanten Ergebnisse mit den späteren Ist-Zahlen stärkt die Motivation und das Vertrauen der Waldeigentümer und überzeugt nicht zuletzt bisher zögerliche Waldbesitzer zum Mitmachen bei einer folgenden Mobilisierungsmaßnahme. Das Abschätzen der Hiebsmenge nach Baumart und Sortiment kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Besonders genau können die Daten über eine Kluppung des ausscheidenden Bestandes erfolgen. Hinzu kommen einige repräsentative Höhenmessungen. Dieses aufwendige Verfahren ist jedoch nur dann zu empfehlen, wenn es um die Ernte besonders wertvoller Bestände geht. Für die Ernte in schwachen und mittelstarken Hölzern ist die Schätzung des so genannten Mittelstammes des ausscheidenden Bestandes je Baumart ausreichend. Voraussetzung ist aber, dass

  1. die Stückzahl beim Auszeichnen gezählt wird und
  2. das Behandlungsmodell konsequent eingehalten wird.

  • Vorkalkulation im Detail Open or Close

    Die Berechnung der Hiebsmenge kann über die Schätzung des Mittelstammes des ausscheidenden Bestandes generiert werden. Der Mittelstamm ist hierbei definiert als das arithmetische Mittel der einzuschlagenden Bäume. Während des Auszeichnens kann mit etwas Erfahrung recht genau eingeschätzt werden, welcher Baum in etwa dem Mittel entspricht.

    Von diesem Stamm werden dann die Höhe und der Durchmesser gemessen und in die Kalkulationstabelle eingetragen. Für die Ermittlung des Volumens muss auf so genannte Kubiktabellen zurückgegriffen werden (z.B. aus dem Forst+Holz+Jagd Taschenbuch, auch als Försterkalender bekannt). Desweiteren muss nun noch eine Stärkenklassenverteilung des Stammholzes eingeschätzt werden. Hierbei sind Erfahrungswerte oder aber Größen aus Bestandessortentafeln zu verwenden. Liegen die genannten Werte vor, kann die Mengenkalkulation erfolgen.

    Für eine Deckungsbeitragsrechnung müssen die Mengenwerte mit Kosten und Erlösen hinterlegt werden. Hierzu sind in der Kalkulationstabelle die Holzerntekosten und die Holzerlöse einzutragen. Über die Zellbezüge werden die Berechnungen automatisiert vorgenommen.

  • Beispiel Vorkalkulation Open or Close

    Es soll eine Erntemaßnahme auf einem 1,5 ha großen, mit junger Fichte und etwas Kiefer bestockten Fläche vorgenommen werden.
    Während der Auszeichung des Bestandes wird folgender Mittelstamm bestimmt:
    Fichte = 21m Höhe und 22cm BHD; Kiefer = 17m Höhe und 19cm BHD.

    Das Kalkulationsprogramm ermittelt hieraus im Tabellenblatt „Vorkalkulation Menge“ die Länge und den Mittendurchmesser des verwertbaren Stammteils, für die Fichte 16m mit 15cm. Mit diesen Werten kann nun aus einer Kubiktabelle das zugehörige Volumen abgelesen und in die Tabelle per Hand eingetragen werden. Im nächsten Schritt sind nun der Stammholz-, Industrieholz- und Energieholzanteil der Maßnahme zu schätzen. Für die Fichte nehmen wir im Beispiel folgende Verteilung an: Stammholz = 40%, Industrieholz = 50% und Energieholz = 10%. Nun fehlt noch die Aufteilung des Stammholzes auf Stärkeklassen. Da es sich um sehr schwaches Holz handelt, wird für die Fichte ein Verhältnis L1b = 80% und L 2a = 20% erwartet. Als letztes müssen die Güteerwartungen eingetragen werden, im Beispiel wird Güte B = 85%, C = 10% und D = 5% prognostiziert.

    Für die Berechnung der Erlöse wurde das Tabellenblatt „Vorkalkulation Holzpreise“ entwickelt. Hier können die aktuellen Holzpreise hinterlegt werden. Gleiches gilt für die Kosten des Unternehmereinsatzes, diese sind im Tabellenblatt „Vorkalkulation HE-Kosten“ einzutragen. Die Zahlen des Beispiels können dort im Einzelnen nachvollzogen werden. Das Tabellenblatt „Vorkalkulation kurz“ liefert das komprimierte Ergebnis (Deckungsbeitrag) des Hiebsvorhabens absolut und bezogen auf die einzuschlagende Hiebmasse sowie auf die zu bearbeitende Flächengröße.

    Bei der hier angebotenen Kalkulationshilfe handelt es sich nur um ein sehr einfaches Tool mit konkreter Anwendung auf vorgesehene Hiebsmaßnahmen. Für große Vorhaben können auch komplexe Programme erworben werden.

  • Weiterführende Links und Literatur Open or Close
    • Holzernte-Produktivitäts-Modell HeProMo der WSL (Schweiz)
    • Das Programm Holzernte 8 der FVA Baden-Württemberg
    • Wilfried PRÖLL (2003); 'Kostenkalkulationen von Durchforstungen' BFW-Praxisinformation Nr. 2 - 2003 »PDF-Datei [7.5MB]

Weitere Themen in "Vorbereitung von Maßnahmen"